Death Metal, eine der extremsten Spielarten des Heavy Metal, hat eine faszinierende Entwicklung durchlaufen. Von den rohen Anfängen in den 1980ern bis zu den vielfältigen Ausprägungen der Gegenwart – das Genre hat sich ständig gewandelt und neu erfunden. Diese Geschichte ist geprägt von Pioniergeist, Kontroversen und der unbändigen Leidenschaft für extreme Klänge.
Die Geburt des Death Metal: Thrash Metal als Wegbereiter
Die Wurzeln des Death Metal liegen im Thrash Metal der frühen 1980er Jahre. Bands wie Venom, Slayer, Kreator und Sodom legten mit ihrer aggressiven Musik den Grundstein. Junge Musiker in den USA und Europa, getrieben vom Wunsch nach noch extremerer Musik, experimentierten mit tieferen Gitarrenstimmungen, Blastbeats und einem gutturalen Gesang, der die menschliche Stimme bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Im Kern ging es darum, die Grenzen des musikalisch Machbaren immer weiter zu verschieben – ein Wettbewerb um das ‘Schneller-und-härter’-Prinzip. Es entstand eine Musik, die bewusst brutal und kompromisslos klingen sollte.
Pioniere und Klangmerkmale
Als frühe und stilprägende Vertreter des Genres gelten Gruppen wie Possessed, Death, Obituary, Autopsy und Morbid Angel. Oft wird Chuck Schuldiner, der Kopf von Death, als eine zentrale Figur hervorgehoben. Possessed veröffentlichten 1984 ihr Demo mit dem Titel ‘Death Metal’, ein Begriff, der sich schnell etablieren sollte und der Szene ihren Namen gab, wie bei Loudwire nachzulesen ist. Der typische Death-Metal-Sound zeichnet sich durch tiefer gestimmte und extrem verzerrte Gitarren, ein Schlagzeugspiel mit Blastbeats und Doublebass-Attacken sowie einen gutturalen Gesangsstil aus, der oft als ‘Growlen’ oder ‘Grunzen’ bezeichnet wird. Dieser Gesang ist ein bewusst eingesetztes Stilmittel, um die extreme Natur der Musik zu unterstreichen.
Die Bedeutung der Underground-Kultur und Schwedens Beitrag
Lange vor der Allgegenwart des Internets spielten Fanzines und das Tapetrading eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Death Metal. Fans tauschten Kassetten mit Demos und Live-Aufnahmen, verbreiteten Neuigkeiten und schufen so ein engmaschiges Netzwerk. Es war eine echte Underground-Bewegung, die von Eigeninitiative, Leidenschaft und dem Wunsch nach musikalischer Grenzüberschreitung geprägt war. In Schweden entstand, wie Daniel Ekeroth in seinem Buch ‘Swedish Death Metal‘ detailliert beschreibt, eine besonders lebendige und einflussreiche Szene. Diese Szene zeichnete sich durch eine ausgeprägte DIY-Mentalität aus und brachte Bands wie Entombed und Dismember hervor, die mit ihrem ‘Sunlight-Studio-Klang’ stilprägend wurden.
Die Explosion der Subgenres: Eine wachsende Vielfalt
In den späten 1980er und frühen 1990er Jahren erlebte die Death-Metal-Szene eine regelrechte Explosion. Plattenfirmen wie Combat, Earache und Roadrunner wurden auf das wachsende Phänomen aufmerksam. Das Genre diversifizierte sich und spaltete sich in eine Vielzahl von Subgenres auf, die jeweils eigene Charakteristika aufwiesen.
Brutal und Technical Death Metal
Der Brutal Death Metal, oft mit der Band Suffocation als einem der wichtigsten Vertreter verbunden, zeichnet sich durch extrem tiefe Growls, intensive Blastbeats, tiefe Gitarrenstimmungen und oft ein technisch anspruchsvolles Spiel aus. Technical Death Metal hingegen integriert Einflüsse aus Progressive Rock, Jazz und klassischer Musik. Bands wie Atheist, Cynic und Necrophagist stehen für diesen Ansatz, der sich durch komplexe Songstrukturen, ungerade Taktarten und virtuose Soli auszeichnet. Der Song ‘Unquestionable Presence’ von Atheist ist ein Paradebeispiel für die Komplexität und Virtuosität, die den Technical Death Metal ausmachen.
Melodic Death Metal und die Göteborger Schule
Eine besonders wichtige Entwicklung innerhalb des Death Metal stellt der Melodic Death Metal dar, der in den frühen 1990er Jahren in Göteborg, Schweden, entstand. Bands wie At The Gates, Dark Tranquillity und In Flames kombinierten die Härte des Death Metal mit eingängigen Melodien, oft zweistimmigen Gitarrenriffs und einem variableren Gesangsstil, der auch Screams und Klargesang umfassen konnte. Diese ‘Göteborger Schule’, wie sie auf metaller.de treffend bezeichnet wird, wurde stilprägend und beeinflusste zahlreiche Bands weltweit.
Andere wichtige Subgenres
Neben diesen Hauptströmungen entstanden zahlreiche weitere Subgenres: Deathgrind (eine Mischung aus Death Metal und Grindcore, vertreten durch Bands wie Cattle Decapitation), Death ‘n’ Roll (mit Rock-‘n’-Roll-Einflüssen, wie bei Entombed zu hören), Florida Death Metal, New York Death Metal, Slam Death Metal und Death Doom. Jedes dieser Subgenres interpretiert den Death-Metal-Sound auf seine eigene, unverwechselbare Weise und trägt zur Vielfalt des Genres bei.
Themen, Kontroversen und Rezeption
Die Texte im Death Metal behandeln oft düstere Themen: Tod, Gewalt, Gore, aber auch Okkultismus, Mythologie, Philosophie und Science-Fiction. Während in den Anfangstagen Splattertexte dominierten, wurden die Themen im Laufe der Zeit vielfältiger und anspruchsvoller. Bands wie Death, Cynic, Pestilence und Gorefest griffen auch philosophische, gesellschaftskritische und politische Fragen auf, wie auf Wikipedia nachzulesen ist.
Der Fall Cannibal Corpse
Cannibal Corpse stehen exemplarisch für die Kontroversen, die Death Metal auslösen kann. Ihre extremen Texte und Plattencover führten zu Indizierungen und Verkaufsverboten. Diese Kontroversen trugen jedoch paradoxerweise auch zur Bekanntheit der Band bei. Cannibal Corpse stehen für eine kompromisslose Auseinandersetzung mit Tabuthemen. Die Band selbst sieht ihre Texte als überzeichnete, fiktive Horrorszenarien, eine Art Ventil für extreme Fantasien, wie auch auf derStandard.de in einem Artikel über einen Death-Metal-Roman angemerkt wird. Die Kontroverse um Cannibal Corpse wirft ein Schlaglicht auf die Frage, wie Death Metal außerhalb der Szene wahrgenommen wird. Während Fans die künstlerische Freiheit und die kathartische Wirkung der Musik schätzen, reagiert die breitere Öffentlichkeit oft mit Ablehnung oder Unverständnis.
Technologischer Fortschritt und das neue Jahrtausend
Der technologische Fortschritt hatte einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Death Metal. Der bereits erwähnte ‘Sunlight-Studio-Klang’ der frühen schwedischen Bands, der durch den Einsatz des Boss HM-2 Distortion-Effekts und übersteuerter Peavey Bandit Verstärker erzeugt wurde, ist ein frühes Beispiel dafür. Im neuen Jahrtausend ermöglichten erschwingliche Heimstudios und digitale Audio-Workstations (DAWs) eine professionellere Produktion, auch für Bands mit begrenztem Budget. Online-Vertriebsplattformen wie Bandcamp und Spotify erleichterten den Zugang zur Musik und veränderten die Art und Weise, wie Death Metal produziert, verbreitet und konsumiert wird. Diese Entwicklung brachte sowohl Vorteile (größere Unabhängigkeit für Bands) als auch Herausforderungen (eine gewisse Unübersichtlichkeit durch die schiere Menge an Veröffentlichungen) mit sich. Death Metal blieb auch im neuen Jahrtausend lebendig und vielfältig, wie Bands wie Nile, Amon Amarth, Bloodbath, Immolation, Bolt Thrower, Septicflesh, Cannibal Corpse, Behemoth, Be’lakor und Opeth eindrucksvoll bewiesen. Ein herausragendes Beispiel ist das Album ‘Annihilation Of The Wicked’ von Nile aus dem Jahr 2005, das ägyptische Thematik mit technischer Finesse verbindet, wie Metal Junkbox hervorhebt.
Death Metal 2016: Ein neuer Höhepunkt?
Einige Kritiker sehen im Jahr 2016 einen weiteren Höhepunkt in der Entwicklung des Death Metal, wie Heavy Blog Is Heavy in einem Artikel über die Evolution des Genres feststellt. Alben wie ‘Starspawn’ von Blood Incantation (mit seiner atmosphärischen Produktion, komplexen Songstrukturen und kosmischen Themen), ‘Shrines of Paralysis’ von Ulcerate (mit dissonanten Riffs und technischen Finessen) und Vektors ‘Terminal Redux’ (das Thrash- und Progressive-Elemente verbindet) stehen beispielhaft für die progressive und vielseitige Richtung, die Death Metal eingeschlagen hat. Diese Alben zeigen eindrucksvoll, dass Death Metal auch nach über drei Jahrzehnten noch innovativ und relevant sein kann.
Das bleibende Erbe des Death Metal
Die Geschichte des Death Metal ist die Geschichte einer musikalischen Extremform, die sich kontinuierlich weiterentwickelt und immer wieder neu erfunden hat. Von den Thrash-Metal-Wurzeln bis zu den komplexen und vielschichtigen Werken der Gegenwart – das Genre hat sich stets gewandelt und ist dabei seinen Wurzeln treu geblieben. Death Metal ist eine Kunstform, die sich kompromisslos mit den dunklen Seiten der menschlichen Existenz auseinandersetzt und dabei eine kathartische Wirkung entfalten kann, wie auch auf laut.de in einer Genre-Beschreibung zu lesen ist. Und diese Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Die anhaltende Beliebtheit und die beeindruckende Vielfalt des Death Metal zeigen, dass das Genre auch in Zukunft eine wichtige und prägende Rolle in der Metal-Szene spielen wird.